Ein Relaunch ist ein Umzug, kein Neuanfang. Es gibt schon etwas, das getragen hat: alte Adressen, die Besucher bringen, Inhalte, die Google kennt. Wer beim Neubau nur ans Design denkt, verliert genau das. Diese Checkliste zeigt, was vor dem Umschalttag erledigt sein muss.
Die gute Nachricht vorweg: Ein sauber gemachter Umzug kostet keine Rankings. Google schreibt in der Dokumentation zu Website-Umzügen ausdrücklich, dass permanente Weiterleitungen keinen Verlust an PageRank verursachen. Sichtbarkeit geht bei Relaunches nicht durch den Umzug verloren, sondern durch Lücken darin.
1. Jede alte Adresse erfassen
Vor dem Launch kommt die komplette Liste aller Seiten, die heute Besucher bringen: aus der Search Console, aus den Server-Logs, aus eingehenden Links. Jede dieser Adressen bekommt ein Ziel auf der neuen Seite. Fehlt das Ziel, landet der Besucher auf einer Fehlerseite und Google streicht die Seite aus dem Index.
Der häufigste Fehler an dieser Stelle ist, nur die Seiten aus der Navigation zu erfassen. Die alten Blogartikel, die Kampagnen-Landingpages und die PDF-Downloads sind oft genau die, auf die von außen verlinkt wird.
2. Weiterleitungen eins zu eins statt pauschal
Eine permanente Weiterleitung sagt Browser und Suchmaschine, dass eine Adresse dauerhaft umgezogen ist. Google empfiehlt dafür den Statuscode 301 oder 308, wo technisch möglich. Eine pauschale Weiterleitung aller alten Adressen auf die Startseite ist dagegen für Google ein Fehler mit anderem Namen: Der Nutzer landet nicht bei dem Inhalt, den er wollte.
| Alte Adresse | Richtiges Ziel | Falsches Ziel |
|---|---|---|
| /leistungen/webdesign | Neue Webdesign-Seite | Startseite |
| /blog/alter-artikel | Neuer bzw. thematisch nächster Artikel | Blog-Übersicht |
| /team | Über-uns-Seite | Fehlerseite (404) |
| Kampagnen-Landingpage (beendet) | Nächsthöhere Leistungsseite | Startseite |
Nur wenn es wirklich keinen Nachfolger gibt, darf der Weg zur nächsthöheren Ebene führen.
3. Keine Weiterleitungsketten
Wenn Adresse A auf B zeigt, B auf C und C auf D, entsteht eine Kette. Googlebot folgt laut derselben Dokumentation bis zu zehn Sprüngen, aber empfohlen wird, direkt auf das endgültige Ziel zu leiten und Ketten auf höchstens drei Schritte zu begrenzen.
Ketten entstehen fast immer ungeplant: eine Weiterleitung von http auf https, eine von www auf die Hauptdomain, dazu die eigentliche Umzugsregel. Prüf die Kette für ein paar typische alte Adressen, bevor du live gehst.
4. Alles an einem Tag umstellen
Für kleine und mittlere Websites empfiehlt Google, alle Adressen gleichzeitig umzustellen. Das hilft Nutzern und es hilft Google, den Umzug als solchen zu erkennen und den Index schneller zu aktualisieren.
Rechne trotzdem mit Geduld: Bei mittelgroßen Websites kann es einige Wochen dauern, bis Google statt der alten die neuen Adressen anzeigt. Ein Einbruch in Woche zwei ist normal, ein Einbruch in Woche zehn nicht.
5. Inhalte übernehmen, dann neu strukturieren
Text, der heute rankt, ist ein Asset. Er wird übernommen und neu geordnet, nicht gelöscht und neu geschrieben. Überschriften-Struktur, interne Verlinkung und strukturierte Daten kommen ab Tag 1 mit, nicht als Nachtrag.
6. Ladetempo als Launch-Bedingung
Die neue Seite geht erst online, wenn die Ladezeit stimmt. Als Zielwert gilt ein Largest Contentful Paint von höchstens 2,5 Sekunden, gemessen am 75. Perzentil der Seitenaufrufe, so beschreibt es die Google-Dokumentation zu den Core Web Vitals. Ein Relaunch, der langsamer ist als die alte Seite, verliert Rankings, auch wenn alles andere stimmt.
7. Alte Seite bleibt online bis zum Umschalttag
Kein Baustellen-Schild, keine Wochen mit halbfertigem Zustand. Die neue Seite entsteht unter einem eigenen Vorschau-Link, wird dort geprüft und wechselt an einem Tag.
8. Nach dem Umschalten messen
Beide Properties in der Search Console behalten, alte und neue, und getrennt beobachten. Google empfiehlt, Weiterleitungen mit dem URL-Prüftool zu testen, bei vielen Adressen per Skript. In den ersten zwei Wochen täglich in den Abdeckungsbericht sehen und Fehlerseiten nacharbeiten.
Einordnung
Was ein Relaunch kostet, wann er sich lohnt und wann eine Überarbeitung reicht, steht auf der Seite zum Website-Relaunch. Die Preisübersicht über alle Wege steht in Was kostet eine Website, die laufenden Kosten danach in Was kostet die laufende Pflege einer Website.
Ob deine aktuelle Seite Substanz hat, die sich zu übernehmen lohnt, zeigt der kostenlose Website-Check in rund 60 Sekunden.

